Insurtech – schreckt die Versicherungsbranche auf

In letzter Zeit taucht der Begriff insurtech vermehrt auf. Die einen reden von der Revolutionierung der Versicherungsbranche, die anderen attestieren dem Bereich keine große Zukunft.

Was bedeutet insurtech eigentlich?

Laut wikipedia wird insurtech auch als Versicherungstechnologie bezeichnet und ist ein Sammelname für die Nutzung moderner Technologien in der Versicherungsbranche. Das Wort InsurTech ist ein Schachtelwort und setzt sich aus den Wörtern Insurance (dt. Versicherung) und Technology (dt. Technologie) zusammen.

Also mit anderen Worten das Überdenken bestehender Geschäftsmodelle und Prozesse innerhalb der Versicherungsbranche, die auf den Kunden neu ausgerichtet und somit kundenfreundlicher gestaltet werden sollen.

Kunden verändern sich – insurtech soll Lösungen finden

Der heutige Kunde tickt einfach „digitaler“ wie man immer hört und möchte möglichst viele seiner Versicherungsanliegen gern digital abwickeln. Das merkt auch die Branche und testet neue Dinge aus, wie z.B. den Sofort-Unfallschutz via App, der auf der Skipiste noch schnell abgeschlossen werden kann,  Apps, die alle Versicherungen bündeln, neue Telematiktarife, der Unfallstecker oder den Ansatz zur Gamification, indem Kunden Rabatte gewährt werden, wenn sie ihre Fitnessdaten zur Verfügung stellen.

Kurzum: Das bestehende Geschäftsmodell der klassischen Versicherung wird überdacht und neue Ansätze werden integriert, die ein „Erlebnis“ verschaffen sollen. Dabei fließen alle Bereiche ein, angefangen vom Abschluß der Versicherung, hin zur Vertragsbündelung, der mobilen Datenverfügbarkeit und dem schaffen einer „Erlebniswelt Versicherungen“. Es wird auch gerne mal versucht, dem Kunden von heute auf eine ganz neue Art anzusprechen. Vor einiger Zeit ist der AXA Konzern eine Kooperation eingegangen mit dem Spielebtreiber Niantic Labs, die das Spiel „ingress“ entwickelt haben. Ingress ist ein augmented reality Spiel, bei dem 2 Nutzergruppen darum kämpfen Gebiete einzunehmen. Dazu müssen sie in echt auf die Straße.

Wenn Sie jetzt dachten, Internetgamer sind dicke Menschen, die sich mit Chipstüten auf dem Sofa lümmeln, werden Sie enttäuscht sein. Time has changed!
Screenshot ingress AXA shield

Die Zeiten sind längst vorbei und heutzutage steht das Netzwerken viel mehr im Vordergrund. Die Aufgabe, die die Spieler hatten war ein AXA-Schild zu finden, dazu mussten sie auch in AXA-Fillialen um Punkte zu sammeln. Bei 12 Millionen ingress gamern eine sicherlich nicht uninteressante Zielgruppe. Laut dem Versicherungsboten hatte die AXA „in fünfeinhalb Monaten zu etwa 55.000 Menschen Kontakt gehabt. Alles potenzielle Kunden. Eher jung, gebildet und solvent, denn Ingress ist kein billiges Spiel. Sehr engagierte Spieler reisen durchaus tausende Kilometer durch die Welt.“ Zum Artikel geht es hier: Kooperation ingress und AXA

 

Insurtech – Das Interesse ist groß und wird noch größer

insurtech

Suchanfragen nach „insurtech“ bei google

Die Suchanfragen nach dem Begriff „insurtech“ sind unglaublich gestiegen. In der obigen Grafik sehen Sie einen Jahresvergleich von google trends. Das geht natürlich nicht spurlos an der Versicherungsbranche vorbei. Viele startups entstehen und Versicherungen investieren in diese oder bilden sogar eigene neue Abteilungen bzw. rufen spezielle Programme ins Leben, die sich nur mit dem Thema insurtech beschäftigen. So z.B. das „InsurTech accelerator program“ der Swiss Re. Bei dem Programm arbeitet die Swiss Re in Indien mit 5 Startups zusammen und möchte eine Innovations-Plattform schaffen, in der neue Ideen rund um das Thema Rückversicherung entstehen können.

„Managing risk may have been our core business for more than 150 years but we have never stood still. We want to continue to collaborate and learn so that we can create smarter solutions for our clients, helping the world rebuild, renew and move forward,” continued Jason.“ (Jason Richards, Head P&C Business Management and Technology , Reinsurance, Swiss Re) Zitat aus einem Artikel von tech2

Es gibt verschiedene Bereiche, die sich Startup-Unternehmen vornehmen. Das meiste Potenzial bieten aber die Bereiche: Versicherungsvergleich, Autoversicherung, Krankenversicherung und Infrastruktur laut Venture Scanner. All diese digitalen Themen bieten vielfältige Möglichkeiten Einfluss auf die Versicherungskunden zu nehmen.

Insurtech Investitionen stiegen in den vergangenen Jahren um 241 Prozent

 

Es ist schon beeindruckend, dass noch bis vor wenigen Jahren der Begriff „insurtech“ überhaupt nicht existierte und in den letzten 5 Jahren das Investitionsvolumen derartig anstieg.

Welche Insurtech Beispiele gibt es?

Es entstehen gerade sehr viele neue Startups, die etwas vom großen Kuchen abhaben möchten, denn die Versicherungsbranche ist lukrativ. ich möchte an dieser Stelle einige aufführen, damit Sie sich ein Bild verschaffen können. Es ist unmöglich alle Startups aufzuführen, es entstehen täglich neue.

Knip ist ein digitaler knipVersicherungsmakler und verzeichnet bereits über 400.00 Downloads. Neben einer übersichtlichen Vertragsanzeige haben Kunden auch die Möglichkeit sich via messenger beraten zu lassen.Sie wählen im Messenger einfach das Thema ihrer Frage aus. Die App übernimmt dann die Suche nach dem geeigneten Experten. Die Knip-App ist TÜV geprüft und arbeitet mit sicherer SSL-Verschlüsselung auf Bankenniveau. Knip ist ein Schweizer Startup. In der Schweiz verwaltet Knip bereits ein Policenvolumen von über 18 Millionen Euro.

 

clarkClark  ist auch ein Versicherungsmakler und legt besonderen Wert auf Transparenz. Alle Mitarbeiter bekommen ein festes Gehalt und der Kunde bekommt die Provisionshöhe mitgeteilt, die das Versicherungsunternehmen an Clark zahlt. Dadurch will das Unternehmen eine gute und faire Beratung sicher stellen, da die Mitarbeiter nicht Provisionsabhängig bezahlt werden. Im Mittelpunkt steht die Kundenzufriedenheit. Die Beauftragung und Übertragung des Maklermandates erfolgt voll digital inkl. digitaler Unterschrift. Clark findet sich unter den Top 10 Apps im Bereich Finanzen.

lemonadeLemonade ist ein Startup, welches sich auf die Fahne geschrieben hat, das Thema Versicherungen ganz neu zu denken und in einer peer-to-peer Versicherungsform umsetzen. Peer-to-Peer bedeutet dabei nichts anderes, als in kleinen Personengemeinschaften, die bei Schadenfreiheit ein Teil ihrer Beiträge am Jahresende erstattet bekommen. Also so, wie heute schon bei friendsurance. Der ganze Hype um lemonade dreht sich für mich schon eine gefühlte Ewigkeit. Große Ankündigen und keiner weiß etwas konkretes. Naja, warten wir mal ab. Genug Geld im Hintergrund hat das Startup, alleine $13 Mio hat Sequoia Capital in lemonade gepumpt.

Oscar ist ein Krankenversicherer, der für seine Kunden an 7 Tagen die Woche erreichbar ist. Die Mitarbeiter sind über diverse digitale Kanäle erreichbar und empfehlen Ärzte und kennen deren Kosten. Ein Punkt, der in Amerika von großer Wichtigkeit ist. Zudem bietet Oscar auch direkte Beratung an im Krankheitsheitsfall. Wie Oscar funktioniert können Sie im folgenden Film sehen:

appSichern bietet spezielle Kurzzeitversicherungen an, bezogen auf bestimmte Ereignisse. Diese Ereignisse können z.B. der Kitaausflug sein, der Stadionbesuch, der Drittfahrerschutz beim Autofahren, Carsharing, Probefahrtenschutz und und und. Versicherungen können mit einer Laufzeit von einem Tag abgeschlossen werden. Die Bezahlung der Versicherung erfolgt via paypal oder Sofortüberweisung, so dass der Versicherungsschutz innerhalb von Minuten da ist.

appsichern

Wer heute nur immer das tut, was er gestern schon getan hat, der bleibt auch morgen, was er heute schon ist.

Wie sehen Sie das Thema insurtech? Viel Hype um nichts oder ein Thema, welches den Versicherungsbereich revolutionieren wird?

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7 Comments

  1. Hall Frau Mauer,

    danke für den tolle Beitrag und als Founder von feelix wollte ich Ihnen hierzu noch unseren digitalen Finanzplaner von feelix ans Herz legen…

    Webseite: myfeelix.de

    feelix bietet seinen Kunden mit der feelix Finanz App einen digitalen Finanzplaner, damit können die Kunden Ihre finanzielle Situation einfach verwalten und selbstständig optimieren.

    feelix bringt Ordnung in das Finanzleben des Kunden. Neben den eigenen Vertragsordnern im Schrank, kann der Kunde digital auf Kopien seiner Verträge (Digitaler Vertragsordner) von 296 Versicherungen, 21 Bausparkassen, 44 Privaten Krankenversicherungen, 1089 Stromanbietern, 51 Banken, 81 Gesetzlichen Krankenkassen, 441 Gasanbietern und 41 Mobilfunkanbietern über sein Smartphone, Tablet und Browser zugreifen. Dabei setzt feelix auf höchste Sicherheitsstandards. feelix analysiert zudem automatisch die Situation des Kunden, zeigt wo sich Schwachstellen im Kleingedruckten seiner Verträge befinden (Vertragscheck), wo er Geld sparen kann, wo Absicherungen fehlen oder wo er überversichert ist.

    Die Fragen und Beratungswünsche kann der Kunde zudem persönlich via Live-Chat klären, ohne lästige Vor-Ort-Termine oder Anrufe.

    • Hallo Herr Hammer,

      danke für Ihre Rückmeldung und weiterhin viel Erfolg mit feelix.

      Gruß Sandra Maurer

  2. Hallo Frau Maurer,

    ein interessanter Blog und gelungener Auftakt für eine weiterführende Diskussion.
    Es stellt sich die Frage, welche disruptive Kraft Fin-/Insurtechs tatsächlich entwickeln können? Haben Sie das Potential, sich einem echten Verdrängungswettbewerb stellen zu können? Oder werden sie sich mit ihren Modellen zukünftig auf Nischen konzentrieren?
    Nicht alle Geschäftsmodelle sind dabei auch wirklich neu!?

    Was jedoch neu ist und sie gemeinsam auszeichnet, ist ihre smarte digitale Organisation, der hohe Grad an Vernetzung, die intensive Nutzung des Internets und die vollständige Konzentration auf die Costumer Experience.

    These: Versicherungen werden sich im Rahmen ihrer digitalen Transformation zu einer ‚Smart Insurance Factory‘ wandeln. Dabei entsteht eine agile, für Innovationen offene Organisationsform. Diese unterstützt ganzheitlich neue Geschäftsmodelle mit einer flexiblen Produkt-, Service- und Preispolitik und fördert über ein Customer Engagement eine hohe Interaktion mit dem Kunden. Zudem bietet sie die Chance für eine Öffnung der Wertschöpfungsketten von Versicherungen. Dieser Schritt ermöglicht wiederum die Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen.
    Die Versicherungen, denen die Transformation und Integration in die digitalen Märkte durchgängig gelingt, werden Insurtechs nicht fürchten – im Gegenteil.
    Sie werden aktiv neue Partnernetzwerke gestalten und sich jeweils die spezifische Servicekompetenz, digitale Strukturen und Touch Points der Insurtechs gezielt zu Nutze machen – zum Erfolg beider Seiten.
    Als Business Consultants & Engineers setzten wir uns täglich mit Organisation, Transformation und Technologie in der Finanzwirtschaft auseinander und erleben unter den Versicherungen bereits erste Vorreiter.
    Ich bin überzeugt, dass weitere folgen und es ihnen gleichtun werden – was meinen Sie?
    Ich freue mich auf weitere interessante Themen, Blogs und den Dialog mit Ihnen.

    Beste Grüße,
    Dominic Testrut

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