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Blockchain mischt die Versicherungsbranche auf

Teure Versicherungsbeiträge, intransparente Schadenregulierung, langsame Prozesse, hohe Personalkosten. Was hat das mit blockchain zu tun? Das möchte ich in diesem Artikel näher beleuchten.

Dass das Thema blockchain aktueller denn je ist, sehen Sie daran, dass es sogar den Bundestag erreicht hat. Das Gesundheitsministerium ist auf der Suche nach einer blockchain-Lösung im Gesundheitsbereich und hat ein hohes Preisgeld von 15.000 Euro ausgelobt.

Was bedeutet blockchain eigentlich?

Laut wikipedia ist „eine Blockchain (auch Block Chain, englisch für Blockkette) eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, genannt „Blöcke“, welche mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise einen kryptographisch sicheren Hash (Streuwert) des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.“

Klingt erstmal ziemlich kompliziert. In einfachen Worten bedeutet blockchain, dass sich Daten nicht in einer zentralen Datenbank, sondern verteilt (in Blöcken) auf verschiedenen Rechnerknoten befinden. Durch Verschlüsselungstechniken werden die Daten durch Zugriffe geschützt. Daten werden mit Zeitstempeln versehen. Bei blockchain können nur Daten hinzugefügt, nicht aber verändert oder gelöscht werden. Eine Manipulation würde also sofort entdeckt werden.

Die hohe Sicherheit von Daten in einer blockchain machen das Thema so interessant. Zudem entwickelt die Versicherungsbranche erste Modelle und testet diese am Markt.

Versicherungen müssen kostengünstiger werden – blockchain soll die Lösung sein

Betrachten wir einmal die Schäden, die durch Hurricanes zustande kommen. Die Regulierung dieser Schäden dauert normalerweise zwischen 2-9 Monaten. Mit einer blockchain-Lösung wäre eine Auszahlung innerhalb von 24 Stunden möglich! Zudem wäre der zu zahlende Versicherungsbeitrag erheblich günstiger. Das liegt an den automatisierten Prozessen. Es gibt keinen Schadenbearbeiter, der die Ansprüche prüft. Alles findet vollautomatisiert statt. Die Wetterdaten werden an die blockchain gesendet, die Daten des versicherten Gebäudes sind in der blockchain und alles wird nach einem Hurricane miteinander abgeglichen. Liegt ein Versicherungsfall vor (es sind bestimmte Auszahlungssummen je Hurricanestufe vereinbart), findet die Schadenauszahlung automatisiert statt. Genau mit diesem Produkt „hurricane protection“ beschäftigt sich die Firma Etheriscs

Kurzum: das Versicherungsgeschäft wird überdacht, um Produkte zu entwickeln, die kostengünstig und schnell in ihrer Abwicklung sind. Durch die hohe Transparenz hat auch der Kunde etwas davon. Denn hatte man bisher teilweise das Gefühl, in der Schadenregulierung wird bei manchen Versicherern gewürfelt, was die Regulierung betrifft, so bietet blockchain 100 Prozent Transparenz!

Die „hurricane protection“ als blockchain-Produkt kostet 10$ statt 600$ in ihrer herkömmlichen Variante. Durch diese enorm günstigen Versicherungsbeiträge wird Versicherungsschutz auf einmal für fast jedermann erschwinglich. Gerade ärmere Länder profitieren hiervon.

blockchain – Das Interesse ist groß, jetzt geht es an die Umsetzung

Vollautomatisierte Prozesse, günstige Versicherungsbeiträge, transparente Schadenabwicklung. Es klingt wie ein großer Traum. Kein Wunder, dass Versicherer sich zusammenschließen und die Entwicklung vorantreiben wollen. So gibt es z.B. seit 2016 die „Blockchain Insurance Industry Initiative„, kurz B3i. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, den administrativen Aufwand zu verringern und „Versicherung“ in den Mittelpunkt zu stellen. Große Versicherer, wie die AXA, Generali, Munich RE, Hannover RE, Allianz, Zurich oder Swiss Re sind Mitglieder. Sie arbeiten gerade an einem Prototypen zum Thema „intelligentes Vertragsverwaltungssystem“ welcher bereits getestet und Ende 2018 eingeführt werden soll. (Quelle: Buch „Live aus dem Krypto-Valley: Blockchain, Krypto und die neuen Business Ökosysteme„)

In der folgenden Grafik sehen Sie, dass die Investitionen in blockchain-Technologien über die Jahre kontinuierlich steigen.

 

Volumen der weltweiten Venture Capital-Investitionen in Blockchain-Technologien von 2012 bis 2018* (in Millionen US-Dollar) Stand: April 2018, Quelle statista

Wird blockchain die Branche revolutionieren? Wer weiß. Verändern und aufmischen auf jeden Fall. Aber noch gibt es zu wenige blockchain-Produkte am Markt. Blockchain ist noch nicht im mainstream angekommen. Aber jeder will es haben und die Tehnologien sind da, sie müssen nur von Fachleuten mit passenden Ideen gefüttert werden.

Einsatzmöglichkeiten von blockchain im Versicherungsbereich

Die Einsatzmöglichkeiten sind beeindruckend. Ich bin gespannt auf die zukünftigen Entwicklungen.

Blockchain macht auch vor dem Gesundheitssystem nicht halt

Digipharm stellt sich der Herausforderung, das Gesundheitssystem neu zu denken. Daran arbeitet ein großes und in der blockchain-Technologie erfahrenes Team. Digipharm möchte, dass zum Wohle der Patienten entsprechend des Behandlungserfolges vergütet wird. Anreize für Pharmaunternehmen, innovative Medikamente zu entwickeln, sollen belohnt werden, was im Moment nicht der Fall ist.
Patienten, die Medikamente am dringendsten benötigen, wird der Zugang zu Medikamenten erschwert. Das Ziel, den Patienten zur richtigen Zeit Zugang zu der richtigen Gesundheitsversorgung zu bieten, steht im Vordeergrund. Ergänzt wird das Konzept um eine Art Belohnungssystem. Hierbei werden in Echtzeit anonymisierte Daten vom Patienten in der blockchain gespeichert, die gutes, gesundheitförderndes Verhalten belohnt.

Digipharm fördert die Entwicklung einer dezentralen blockchain-Infrastruktur für Gesundheitsinformationen, die allgegenwärtig, transparent und sicherheitsbewusst ist.

digipharm

Welche blockchain Beispiele gibt es?

Es gibt einige Entwicklungen am Markt, die Ihnen aufzeigen können, wie eine Versicherung über blockchain umgesetzt werden kann. Ich möchte an dieser Stelle einige aufführen.

fizzy fizzy by AXAist ein revolutionärer Web- & Mobile-Versicherungsschutz für Flugverspätungen von mindestens 2 Stunden. Es bietet Ihnen eine auf Ihre Flugstrecke abgestimmte One-Shot-Abdeckung mit automatischer Kompensation im Falle einer Verspätung. Die Firma fizzy verwendet Ethereum Smart Contracts, um die Transparenz und Unveränderlichkeit ihrer Versicherungspolicen zu gewährleisten. Wenn jemand eine Versicherungspolice unterschreibt, werden die Details im Smart Contract von fizzy registriert. Bei der Landung des Flugzeugs wird die tatsächliche Landezeit dann in den Smart Contract geladen, der sie mit der geplanten Landezeit vergleicht und eine Entschädigung auslöst, wenn 2 Stunden oder mehr Verspätung bestehen! fizzy braucht kein Vertrauen: jede Information und alle Mechanismen sind in der blockchain verfügbar. Auch wenn diese Informationen heute hauptsächlich für Krypto-Entwickler lesbar sind, werden mehrere Tools erstellt, um den Zugriff zu erweitern. fizzy registriert in der Ethereum-blockchain jedoch keine persönlichen Daten!

Gemeinsam mit der ARAG-Versicherung und dem Start-up-Inkubator STARTPLATZ präsentierte das Technologie-Unternehmen ubirch die erste Implementierung einer blockchain-Versicherung. ubirch installierte Sensoren in Veranstaltungsräumen, die permanent die Luftqualität messen und diese Messwerte fälschungssicher in die blockchain übertragen. Die Teilnehmer des Events sind nach Einwilligung vor Ort automatisch durch den Veranstalter über eine Smart-Contract-Versicherung gegen die Verschlechterung der Luftqualität versichert. Werden die vereinbarten Schwellenwerte bei der Messung überschritten, löst die Sensor-Technologie automatisch die Auszahlung der Schadenssumme aus.

 

Sehr interessante Beispiele zum Thema blockchain und Versicherung finden Sie auf der etherisc Seite. Etherisc entwickelt Bausteine für Versicherungen, um faire, transparente und individualisierte Versicherungsprodukte anzubieten.

Etherisc – Animation from ravir film on Vimeo.

„Blockchain ist weder ein Trend noch eine Killertechnologie, aber es ist der Wegbereiter für neue Killer-Anwendungen, die die Zukunft vorantreiben werden.“

Wenn Sie sich noch für weitere Infos rund um das Thema blockchain und Versicherungen interessieren, dann sehen Sie sich doch die folgenden Studien einmal an.

Studie PWC „Blockchain in Financial Services –Mehr als nur ein Hype

Studie Deloitte „Blockchain Einsatz im deutschen Gesundheitswesen

Accenture „Blockchain Insurtech 2017

Studie IBM „2017 Blockchain Adoption Study –Progress or Setback in Switzerland?

Wie sehen Sie das Thema blockchain? Welche Beispiele gibt es noch aus dem Versicherungsbereich?

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2 Comments

  1. Oha, da kommt ja etwas auf die Branche zu. Ich bin gespannt, wie sie die Herausforderungen meistert. Guter Artikel. Ich freue mich auf viele weitere spannende Einblicke in die Branche.

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